Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR) will alle Fahrgäste elektronisch erfassen

Elektronische Ticketkontrolle beim Einstieg in einen Bus
Elektronische Ticketkontrolle beim Einstieg in einen Bus – Quelle: VRR Pressebreich

Seitens des VRR gibt es Bestrebungen die Kunden elektronisch zu erfassen. Dies sieht laut Heise.de und der Westdeutschen Zeitung wie folgt aus: Beim Einsteigen in das Verkehrsmittel muss der Fahrgast einchecken (vergleichbar mit der heute bereits präsenten Kontrolle durch das Gerät oder der Sichtkontrolle durch den Fahrer), und beim Aussteigen wieder Auschecken (und hier beginnt eines der Probleme).

Als problematisch sehe ich hier nicht nur das Auschecken, was
grade bei knappen Wechseln dazu führen kann das man seinen Anschluss nicht bekommt, sondern schlicht zu Pulks vor den wenigen Geräten und einer generellen Verkomplizierung bei der Nutzung der Verkehrsmittel führen wird. Dazu kommt dann noch die Ansicht der Verkehrsbetriebe Menschen, die dies vergessen (gewollt oder nicht spielt dabei in meinen Augen keine Rolle) als Schwarzfahrer abstempeln wollen (wie in der WAZ beschrieben).

Also werde ich dafür bestraft nicht mein Profil zur Fahrgastüberwachung brav zu pflegen, was mich zu einen weiteren Punkt der Kritik an dem System führt. Gerade in Zeiten der regelmäßig in Erscheinung tretenden Datenschutzprobleme soll noch eine Datenhalde aufgebaut werden. Spricht man momentan nur von „interner Verwertung“ für die Optimierung der Auslastungen, so darf man sicherlich davon ausgehen, das diese Daten in absehbarer Zeit zur Veräußerung stehen werden.

Aber auch sehe ich hier abseits vom Datenschutz ein anderes sehr markantes Problem. Der ÖPNV möchte sich optimieren, vermutlich Strecken „abschaffen“ weil sie sich angeblich nicht rechnen würden. Aber es wird (zumindest nicht erkennbar für mich) evaluiert warum diese nicht ausgelastet sind. Ein regelmäßig aufkommender Problembestand ist, wenn ich mich mit meinen Arbeitskollegen über das Thema auseinandersetze, das die Haltestellen sehr weit entfernt sind. Was eigentlich auch kein Wunder ist, wenn zwar Neubaugebiete entstehen, aber diese kaum oder gar nicht in die ÖPNV Infrastruktur integriert werden. Eine Haltestelle am Rand eines Neubaugebietes reicht meistens nicht wirklich aus, um den ÖPNV für die Bewohner als ganzes attraktiv zu machen.

Aber auch habe ich arge Zweifel an der Zuverlässigkeit des Systems. Ich fahre ja inzwischen immer öfter mit dem HandyTicket, nun da die Software endlich auf meinem Android Smartphone einen stabilen Zustand erreicht hat (hat ja auch lange genug gedauert). Dabei passiert es mir fast immer in Krefeld, das ich die vorgeschriebene Kontrolle mittels einscannen am Gerät nicht durchführen kann, weil a) das Gerät den „QR Code“-ähnlichen Codeblock nicht erkennt (Scanner scheint gar nicht aktiv zu sein) oder b) komplett außer Betrieb ist. Bislang habe ich nur bei der Deutschen Bahn erfolgreich meine Kontrollen absolviert, so ungewöhnlich das klingen mag. Von daher wäre es ohnehin erstrebenswert erst einmal das derzeitige System vollständig funktionsfähig zu bekommen, bevor etwas neues nur angedacht wird.

Zudem in einem Artikel der Achener Zeitung auch anklingt, das das System wohl auf lange Sicht
das Papierticket komplett verdrängen soll. Das würde die Latte für die Gelegenheitsfahrer noch
höher setzen als sie derzeit durch komplizierte Tarife schon jetzt ist. Verlangt man von Ihnen bald auch noch eine Karte für Guthaben zu erwerben, läuft der VRR Gefahr auch noch diese Kundschaft zu vergraulen anstatt Sie für sich zu gewinnen.

Insofern kann ich dem Kommentar seitens der WZ-Kolumnistin unter der Überschrift „Nötige Reform“ nur sehr bedingt zustimmen. Selbstverständlich sollte es Reformen geben beim VRR. Aber der angedeutete Weg ist nicht der Weg die Dinge zu vereinfachen. Helfen würde in meinen Augen zum Beispiel die Reduktion der Tarifstufen zurück drei wie wir sie früher hatte. Damals wusste ich genau, A => aktueller Ort/B => bis nächster Ort/C=> über den nächsten Ort hinaus. Heute mit den weiteren Stufen ist es jedes mal ein herumgesuche bis man das passende gefunden hat. Mit elektronischer Überwachung wird es nicht einfacher, sondern eher in meinen Augen unkontrollierbarer. Zumal die Gefahr besteht, das durch Zeit/Entfernungstarife so mancher von uns am Ende teurer dasteht als derzeit. Zumal, irgendwer muss das ganze System bezahlen, und man kann bezweifeln das die aktuellen Entgelterhöhungen dafür langen werden.

Ich würde es begrüßen, wenn über dieses Vorhaben ein offener Diskurs nicht nur mit den Städten sondern auch mit den Betroffenen, also den Bürgern geführt wird. Ansonsten bleibt uns nur den VRR mittles Demonstrationen und Boykott daran zu erinnern, das wir existieren und nicht nur Nummern in Ihrer Datenerfassung sind!

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